Ankündigung der Keynote-Rede zur GreenUp-Konferenz 2024
Die neoliberale Wende, die „Wende der Ungleichheit“, nach ATKINSON, bestimmt seit dem Ende der 1970er Jahre das kapitalistische System und somit die Struktur der sozialen Stratifikation als Reaktion auf den keynsianischen Konsens der Ära der „Trente Glorieuses“, der dreißig „glorreichen“ Jahre der Nachkriegszeit. Der Marktradikalismus behauptet sich, spätestens seit den 90er Jahren, also seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion (1989/91) und der Integration Chinas in den kapitalistischen Weltmarkt (WTO Mitgliedschaft 2001), als das angeblich alternativlose Erfolgsmodel der Weltwirtschaft. Diese neoliberale Wende geht mit der „digitalen Wende“ und die Industrielle Revolution 4.0 einher. Man könnte von miteinander verbundenen parallelen Entwicklungen sprechen, da erst die digitale Wende (Internet, Web 1.0, Web 2.0, Medienkonvergenz, Social Media etc.) Deregulierung, Globalisierung, Mediatisierung, Informationsgesellschaft, Abkoppelung von Raum und Zeit, Abkoppelung der Finanzwirtschaft von der realen Wirtschaft etc. technisch wirklich möglich gemacht hat. Mir geht es in den folgenden Ausführungen darum, entscheidende Aspekte der neoliberalen Wende aufzuzeigen und zu konzeptualisieren, um ihre Prävalenz in der historischen Konstellation seit der 1970er und 1990er Jahre herauszustellen, um ihre soziale Akzeptanz zu verstehen und um die eigentlichen antiliberalen und antidemokratischen Inhalte, die wir mittlerweile mit dem Begriff der post-Demokratie beschreiben, zu ermitteln.
Dimitris Charalambis
Emeritierter Professor an der Universität Athen

